oder einfacher, wenn wir uns den neuen Sportwagen oder das neue Smartphone geleistet haben. Wie lange hält das an? Für den Augenblick sind wir bestimmt glücklich. Wir haben, was wir wollten, oder denken das zumindest. Alles scheint perfekt. Und da beginnt es zu hapern. Erinnert ihr auch an Matrix, wenn Mr. Anderson sagt, dass die Menschen eine perfekte Welt nicht vertragen haben? Ich denke, damit hat er gar nicht so unrecht. Wenn es perfekt ist, kommen uns Zweifel. Fehlt wirklich nichts? Wollte ich das wirklich? Brauche ich nicht mehr? Und es kommen Ängste. Was, wenn mir das wieder genommen wird? Wer wird es mir nehmen? Ist der erste Schritt dahin nicht schon getan? Wann werde ich es verlieren? Dabei geht’s es meist weniger um die Sache an sich, als um das Gefühl der Befriedigung. Das wollen wir nicht verlieren und wir wissen, dass wir es verlieren.Mittwoch, 24. November 2010
oder einfacher, wenn wir uns den neuen Sportwagen oder das neue Smartphone geleistet haben. Wie lange hält das an? Für den Augenblick sind wir bestimmt glücklich. Wir haben, was wir wollten, oder denken das zumindest. Alles scheint perfekt. Und da beginnt es zu hapern. Erinnert ihr auch an Matrix, wenn Mr. Anderson sagt, dass die Menschen eine perfekte Welt nicht vertragen haben? Ich denke, damit hat er gar nicht so unrecht. Wenn es perfekt ist, kommen uns Zweifel. Fehlt wirklich nichts? Wollte ich das wirklich? Brauche ich nicht mehr? Und es kommen Ängste. Was, wenn mir das wieder genommen wird? Wer wird es mir nehmen? Ist der erste Schritt dahin nicht schon getan? Wann werde ich es verlieren? Dabei geht’s es meist weniger um die Sache an sich, als um das Gefühl der Befriedigung. Das wollen wir nicht verlieren und wir wissen, dass wir es verlieren.Mittwoch, 17. November 2010
Begehren
Ich habe mich diesem Wahn ja lange verweigert. Das wollte ich nie tun, soweit war ich mir sicher. Nur das Schicksal hat das etwas anders gesehen. So stellte ich schon zu Beginn dieses Semesters fest, dass ich den ersten „Biss“-Teil lesen musste. Wuäh.
Ich hatte ja schon einiges von dieser Teenagerschnulze gehört, und eher Schlechtes als Gutes. Platter Stil, eindimensionale Figuren, lahme Story, solche Kritiken bekam ich zu hören, ganz im Gegensatz zu dem Massenwahn der Mehrheit. Nun, die Geschichte hatte mich schon vorher nicht interessiert, das gleiche kannte ich schon in rosa, blau und gelb, nochmal in grün war echt nicht nötig. Doch dieses verfluchte Schicksal.
Auf meinem Seminarplan fand ich also zu meinem Schrecken ein Buch, das ich nie lesen wollte und jetzt sah es so aus: Nicht lesen, was mir ganz sympathisch aussah, oder brav sein und doch lesen.
Schicksal hatte da schon seinen eigenen Kopf, es führte mich in die katholische öffentliche Bücherei, wo doch tatsächlich die drei Biss-Bände im Regal standen. Also wollte ich es nicht weiter strapazieren, manchmal schlägt das Schicksal ja ganz gemein zurück. Ich lieh das Buch aus und setzte mich zu Hause ans Lesen, um es hinter mich zu bringen.
Tatsächlich wurden meine Vorurteile nicht enttäuscht. Der Plott ist platt, die Figuren eindimensional, etc. Der Konflikt der Verliebten wird überdeutlich gezeichnet, und nervt schon am Ende des ersten Buches gewaltig. Doch ich bin ja nicht hier, um auf sowas aufmerksam zu machen. Darüber wurde bei den Buchkritiken schon geschrieben. Worüber ich schreiben will, ist was Frau Meyer tatsächlich ganz gut macht: Begehren. Oder besser: Sie zeigt Begehren.
In jedem Gespräch, jedem Gedankengang, jeder Nebenhandlung und natürlich, ziemlich offensichtlich, in der Haupthandlung geht es um Begehren. Mal unschuldig, mal ziemlich heftig, doch immer nur Begehren. Vielleicht ist es deshalb schnell langweilig?
Doch es trifft den Nagel auf den Kopf. Wir alle begehren. An Weihnachten vielleicht etwas mehr, als sonst, jedenfalls materiell gesehen. Und dann? Was kommt eigentlich nach dem Begehren?
Der kitschige Romantiker hat seinen Spaß am Begehren. Die große Sehnsucht nach jedem und allem. Das Nie-Genung-Bekommen. Das ist es. Und das ist doch das wirkliche Problem. Wenn wir nämlich mal bekommen, was wir wollen, fehlt uns plötzlich was anderes. Das Begehren. Wir begehren das Begehren. Mal ehrlich. Du bekommst eine Wii und willst Spiele dazu. Du bekommst ein Handy, und willst ein Netbook. Du bekommst eine CD und willst zum Konzert. Soll ich weiter machen?
Ich finde das gar nicht so schlimm, solange wir es nicht abstreiten. Wenn ich meine Oma frage, wie es ihr geht, sagt sie: Ich bin zufrieden. Und das ist mal fair. Das heißt nicht, es geht ihr gut, oder sie ist glücklich, oder sie hat alles, was sie braucht. Es sagt nur, dass sie zufrieden ist. Es verheimlicht aber auch nicht, dass sie mehr begehrt. Mehr als nur den nächsten Tag. Zufrieden, das heißt, es passt grad, es könnte schlimmer sein.
Das ist wichtig, oder? Das wir begehren. Wenn wir nicht mehr begehren, was machen wir dann noch? Sind wir dann zufrieden? Niemals! Das ist das Geheimnis. Zeig den Menschen, was sie wollen. Begehren. Eine Sache, einen Moment, einen Menschen, ein Gefühl. Hauptsache, sie begehren. Und werden begehrt. Sagt es euch laut: Ich werde begehrt (bitte nicht lachen) und ich begehre. Stellt es euch vor. Ein Schokoeis, einen Kaffee, einen Kuss, ein Buch. Begehren ist geil, es macht an und Spaß. Wir sind nicht zum Glücklichsein gemacht, sondern zum Begehren.
Dienstag, 9. November 2010
Geweihtes Quartal
Doch ich komme grade vom Einkaufen und rege mich lieber über etwas ganz anderes auf. Über Weihnachten, oder besser: den X-mas Süßigkeitenmassen und Dekorfluten.
Was soll das? Wer kommt auf so geniale Strategien wie Nikoläuse im August zu verkaufen? Und welche Deppen kaufen das Zeug?

Über Schokoriegel mit Mandel und Apfel oder Glühweingeschmack will ich mich ja gar nicht beschweren. Das ist auch mit Schneemännern auf der Verpackung bei 37° im Schatten noch erträglich. Wenn auch nicht lange, denn bald ist das ein einziger Glühwein-Apfel-Schoko-Mandel-Brei – und alles andere als lecker. Nein ich rede wirklich von Nikoläusen, Adventskalendern und Lebkuchenmännern im Hochsommer. Muss das wirklich sein?
Ist es möglich, dass aus einer geweihten Nacht, dem Geburtstags des Herrn, ein geweihtes Einzelhandelsquartal wird? Oder schon geworden ist? Kann mich bitte jemand zwicken und aus diesem Albtraum erlösen. BITTE!
Wie kann man nur Adventskalender im August verkaufen? Wo liegt da der Sinn? Kann mir das jemand erklären? Gibt es vorher schon 24 Tage, bis etwas passiert? Machen manche daraus einen Geburtstagskalender? Oder einen Herbstkalender? Einen Ferienkalender? Einen Hauptsache-Ich-Kann-Jeden-Tag-Schokolade-Futtern-Kalender?
Haben die Leute Angst, dass es Ende November keine mehr gibt? Aber wirklich, Schokolade vom August ist im Dezember ungenießbar, vor allem wegen der Hitze. Angeschmolzene Schokolade, die drei Monate rumliegen muss, will niemand freiwillig essen. Ist das umgekehrte Psychologie? Das Kind steht morgens auf, die Mutter sagt: „Na, willst du deine Schokolade essen?“ Das Kind reißt panisch die Augen auf : „Nein, bitte nicht, ich will keine Schokolade, ich will keine Geschenke, nimm nur das Ding wieder weg!“
Funktioniert das? Mein Bruder hat früher am ersten Dezember alle 24 Türchen geöffnet, die Schokolade verputzt und dann die Türchen wieder sorgfältig pseudo-verschlossen. Damit war die Sache für ihn gegessen. Soll das solchen Fällen vorbeugen? Das Kind würgt mühevoll jeden Tag die ranzige Schokolade runter und atmet am ersten Feiertag so richtig auf. Endlich keinen Adventskalender mehr. Was für ein Sch***.
Ich boykottiere diesen Weihnachtsverschwörung! Erst in der letzten Novemberwoche erlaube ich Gebäck und Co. in meiner Wohnung und der Adventskalender wird selbst gemacht. Ist viel schöner und hat was Besonderes. Mein Kleiner bekommt übrigens dieses Jahr zum ersten Mal einen. Die ersten 12 Säckchen hab ich schon fertig, die nächsten folgen demnächst. Und wetten, die wird er mit leuchtenden Augen öffnen.
Dienstag, 2. November 2010
Wenns kommt, dann kommts
Kann ich verstehen, oh ja. Als ich damals zum ersten Mal in der Uni war – lang, lang ists her, da war ich heilfroh meinen Liebsten an der Seite zu haben, der mich zumindest mental unterstützte und erst alleine ließ, als ich vor der Tür meiner ersten Veranstaltung saß und von einer Kommilitonin angesprochen wurde. Allein dafür werde ich ihn immer lieben. Die große, fremde Uni, die vielen Menschen – und ich hasse Menschenhaufen – und diese unglaubliche Hilflosigkeit, denn wie schnell findet man einen Raum nicht, oder macht sonst was Dummes. Als ich dann nach Mannheim kam, war ich vorbereitet. Ich informierte mich vorab telefonisch wegen des Stundenplans, anstatt bei der Beratung Schlange zu stehen, ich wählte im ersten Semester nicht so viel, um in die Arbeit reinwachsen zu können und ich fand mich im Irrgarten der elektronischen Datenbanken zurecht. Allerdings hatte mein Laptop erst im dritten Semester Internetzugang, Windows 7 sei Dank. Obwohl – bei meiner alten Uni hatte ich das vier Semester lang vergeblich versucht hinzubekommen.
Aber gut, Erfahrungen teilt man ja gerne. Darum habe ich mich auch mit meiner Freundin hingesetzt, ihr gut zugeredet und geholfen. Dass sie am Ende dann doch alles anders gemacht hat, ist ihre Sache. Aus welchem Wahn bitte wählt man im ersten Semester 12 Veranstaltungen? Selbst die 10 vorgeschriebenen sind schon happig, aber 12? Ich habe dieses Semester 9 Veranstaltungen und da fassen sich einiger meiner Studienkolleginnen schon an den Kopf. Naja, vielleicht müssen die mit 12 weniger zu Hause machen, kann schon sein. Ich jedenfalls bin mit meinen 9 wirklich bestensbedient. Und dabei laufen zwei von denen als Blockseminar. Das eine hab ich schon hinter mir – Gott sei Dank – das Zweite liegt noch vor mir.
Den restlichen Sieben ist es allerdings zu verdanken, dass ich momentan gerade selbst im Zugzwang bin. Naja, denen und meiner Schreiberei. Da muss ich innerhalb von zwei Wochen einen Essay und eine Hausarbeit fertig schrieben, eine andere Hausarbeit würde ich gerne auch schon mal schaffen, denn immerhin warten noch vier weitere auf mich. Zusätzlich bereite ich zwei Referate vor und muss für eine Veranstaltung regelmäßig vorarbeiten, weil da Texttests geschrieben werden. Undeigentlich wäre es eine ganz gute Idee für meine einzige Veranstaltung mit Klausur schon mal etwas zu lernen.
Zudem kommt, wie gesagt, mein persönlicher Ehrgeiz. Mein Buch „In Mamas Bauch“ ist gedruckt, am 15.11 ist das offizielle Releas und schon jetzt muss ich daran arbeiten, es unter die Leute zu bringen. Um Lesungen betteln und wichtige Leute beschwatzen, die Zeitungen informierten, etc. Immerhin will ich das Buch ja auch verkauft sehen. Daneben läuft im November der Nanowrimo, der National Novel Writing Month, indem aberduzend verrückter Schreiberlinge in 30 Tagen 50000Wörte schreiben wollen, also jeweils, mit dem Anspruch, dass das ganze potentiell ein Roman sein könnte. Auch wenn da für Qualität kaum Platz ist. Trotzdem, für einen ersten Entwurf durchaus eine gute Übung, wenn man nicht ohnehin gerade 2000 Wörter pro Tag für die Uni schreiben muss.
Zusammengefasst: Ich bin im Stress und selbst schuld daran. Was aber das Allerschlimmste daran ist: Es macht mir gar nichts aus.
Nein, ehrlich, ich mag meine Veranstaltungen, ich habe kein Problem mit den Referaten, freue mich schon fast auf die zweite Hausarbeit und liebe es, zu schreiben. Hm. Vielleicht sollte ich mich mal an jemanden wenden, der sich mit so was auskennt…
Donnerstag, 28. Oktober 2010
Von lieben Postboten und schlimmen Montagen
Und tatsächlich. Kaum war das Gedicht geschrieben, ging es mir besser und ich konnte am Dienstag "durchstaten".
Da ich grade etwas erkältet und auf dem Rad nicht so gut unterwegs bin, lief ich mit meinen Spatz zur Kita. Er fuhr, im Kinderwagen. Auf halbem Weg sehe ich unseren Postboten. Der ist wirklich ein Schatz. Er kommt auch zu meiner Mutter und kennt mich noch aus der Zeit, da ich zu Hause gewohnt habe. Da meine Mutter nun öfter mal ihre Pakete zu mir schicken lässt, dass sie auch angenommen werden können, kommt er des öfteren zu uns, und ist auch so lieb, wenn mal keiner da ist, die Pakete beim Sonnenstudio abzustellen.
Am Dienstag hat er mir mal wieder bewiesen, was für ein Glück man mit einem guten Postboten haben kann. Er winkte mir ganz komisch zu, machte ein viereckige Geste mit der Hand und verwirrt blieb ich erst mal stehen. Zum Glück. Er fuhr neben ran und kam voller Elan aus dem Postauto gesprungen.
"Ist jemand zu Hause?", fragte er und ich schüttelte noch immer etwas perplex den Kopf. Kurzerhand drückte er mir ein Paket in die Hand und kaum hatte ich den Absender gesehen, hüpfte ich tatsächlich einmal durch die Straße. Es kam vom Noel-Verlag und darin, das wusste ich wohl, lagen die ersten, druckfrischen Exemplare meines neuen Kinderbuches "In Mamas Bauch". Ja, ich hab schon glück mit meinem Postboten, sonst hätte ich glatt bis Nachmittags warten müssen, um mich freuen zu können. Und so ein bisschen Freude am Morgen tut uns doch allen gut!
Donnerstag, 21. Oktober 2010
Internet-Shopping oder Flopping
Einkaufen, ja zum Einkaufen komm ich. Zum Aldi, Lidl oder Rewe, wenns der Geldbeutel zulässt. Brot und Klopapier, Wurst und Waschmittelt, das kauf ich ein.
Aber Shoppen ist etwas ganz anderes, shoppen heißt eben nicht gleich einkaufen. Nein, ihr lieben Deutschlehrer, die ihr für den Erhalt der deutschen Sprache seid, und deswegen das eingedeutsche "Shoppen" mit "Einkaufen" übersetzten wollt. Das geht nicht, die Bedeutung, die Semantik ist eine andere. Wirklich.
Shoppen, das heißt eher bummeln, oder schon einkaufen, aber in anderer Hinsicht. Nicht diese notwendigen Dinge, die wir jeden Tag brauchen. Sondern ziemlich individuell diese Dinge, die wir gerne kaufen, deren Kauf uns Spaß und Freude bereitet. Für die wir uns gerne zwei Stunden im Hochsommer an eine Kasse stellen, bis wir an der Reihe sind. Für die wir auch mal etwas mehr bezahlen. Das ist Shoppen!
Und dazu eben fehlt mir die Zeit, vielleicht auch die Motivation, denn es gibt tatsächlich andere Sachen, die ich lieber mache. Und umso mehr genieße ich die wenigen Möglichkeiten in die Stadt shoppen zu gehen. Doch wenn ich es einfach nicht schaffe, mir Stress, Warten und Stadttroubel ersparen will, dass shoppe ich im Internet. Und da gibt es zum Glück ja reichlich Futter. Einige Versandstellen schicken mir auch immer wieder nette Kataloge mit niedlichen Bestellzetteln, die ich allerdings nur für meine Notizen benutze. Bestellt wird am PC, schneller, ohne Porto und Lesefehler. HA, haste gedacht. Nee, nee, nee. Die unterschiedlichen Versandhändler des weltweiten Netzes haben ihre eigenen Shoppingfallen.
Der Händler, von dem ich immer noch gerne meine Bastelsachen beziehe, zum Beispiel. Den find ich schon toll. Es gibt tolle Pakete, die man super wiederverwerten kann, und das Material ist wirklich gut. Aber ich unterlasse es tunlichst dort etwas Kleines, Zerbrechliches zu bestellen. Das kommt beim ersten Mal zerbrochen an, wird sofort zurückgeschickt, mit der Bitte, doch bitte Ersatz zu liefern. Kleine Deko-Osterhäschen, oder Tongestecke für den Garten, oder Teelichgläser. Nur leider bekomme ich nie ein ganzes Exemplar dessen gesendet, was ich haben wollte. Das nächste Mal ist das gute Stück wieder zerbrochen. Und beim dritten Mal bekomme ich ein "Leider ist der Artikel nicht mehr verfügbar" mit geschenkten Versandkosten für die nächste Bestellung. Nunja.
Noch eine Sache, die ich des öfteren übers Internet bestellte, sind Kinderkleider. Denn mit Kind shoppen zu gehen, ist schon fast wieder einkaufen. Fertig wird man selten, und glücklich auch nicht wieder. Die im Beitrag von vorletzter Woche erwähnte Fernsehberieslung ist da keine Hilfe. Also bestelle ich bei tollen Händlern im Internet, mit guter Qualität und netten Preisen. Tatsächlich! Bis jetzt konnte ich mich nicht beschweren. Mein Kleiner sieht wunderhübsch in diesen Sachen aus und ich mag sie auch. Doch dann kam ich auf die Idee, ihm Gummistiefel dort zu bestellen. Zuerst kamen sie zwei Nummern zu klein. Gut, kann passieren. Blöd, dass ich mehr als einen Monat darauf warten musste, aber egal. So leicht lass ich mich nicht erschüttern. Gestern kam der Umtausch. Freudig zog ich den ersten Schuh heraus, links, die richtige Größe. Erst als ich den zweiten Schuh betrachtete kam ich etwas ins Stocken. Der war nun eine Nummer zu groß, und ebenfalls ein linkes Exemplar. Ich trugs mit Fassung und hab erst mal gelacht. Sowas passiert ja auch nicht alle Tage. Dabei bin ich der Meinung, dass mein Sohn gar nicht zwei linke Füße hat. Er tanz ganz hübsch, hüpft und springt, also nein, das geht leider nicht. Die Stiefel sind schon wieder auf dem Rückweg und ich denke mir, dass das immer noch angenehmer ist, als nach einer langen Shopppingtour zu Hause festzustellen, dass irgendwas zu klein oder falsch eingekauft wurde, und dann den ganzen Weg nochmal zurück zu müssen. Beim Internetshopping kann so ein Flop schneller zurückgeschickt werden und ich brauche keine Angst zu haben, dass der Kauf nicht auch zurückgenommen wird. Fehler passieren eben. Nur zu blöd, dass mein Sohn bei dem Wetter noch immer keine Stiefel hat.
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Kinder und Krankheiten
Kinderkrankheiten sind ja mal wirklich saublöd.
Erstens brechen sie mit absoluter Vorliebe um drei Uhr nachts aus. Wenn um drei Uhr nachts die Schlafzimmertür aufgeht, ein kleines Etwas zu mir ins Bett schleicht, oder neben mir aus dem Schlaf hochschreckt, kann ich garantiert sagen, dass ich am nächsten Tag, übermüdet, mit Kinderrotz, Tränen oder anderen Körperausscheidungen bekleckst, beim Kinderarzt abrücke, nur um mit einem Packen kindergerechter Medikamente wieder nach Hause zu kommen. Um drei Uhr nachts. Das ist die magische Zeit. Manchmal liege ich still da, mit offenen Augen, lausche in die Dunkelheit und hoffe inständig, kein Krähen zu hören, keinen Mucks, nicht mal ein kleines „M“. Und wenn dann doch, bin ich schnurstracks auf den Beinen. Das ist das zweite große Problem an Kinderkrankheiten.
Sie rauben den Eltern den Schlaf. Nicht nur den, den man zwischen drei und vier hat. Sondern in regelmäßigen Abständen, bei mir im zwei Stunden Takt, gibt es ein erneutes Aufschrecken. Das sieht dann so aus. Drei Uhr: Aufwachen, halb vier: gröbste Krankheitsanzeichen hemmen, vier Uhr: trösten, halb fünf: versuchen einzuschlafen, fünf Uhr: wieder Aufwachen,…
Um acht stell ich dann erstaunt fest, dass ich schon wieder in der Kinderarztpraxis anrufen kann. Dann geht es damit weiter, dass ich irgendwie organisieren muss, ob und wie ich in die Uni komme, bzw. wer denn mein Kind hüten kann. Beim Kindergarten anrufen, ein Auto herbeischaffen, denn unseres steht wahrscheinlich vor der Schule, in der mein Verlobter als Referendar arbeitet. Denn schließlich sind wie am dritten Minuspunkt der gemeinen Kinderkrankheiten: Das ganze Drumherum. Das regt ja so was von auf. Nicht schlimm genug, dass das eigene Kind krank ist, Fieber hat, jammert, etc. NEIN Da gibt es einfach noch abermillion Kleinigkeiten, die tatsächlich Aufmerksamkeit verlangen. Nach der schon erwähnten langwierigen Nacht.
Zum Schluss aber, denn aller guten Dinge sind eben nicht immer nur drei, das hinterlistigste an Kinderkrankheiten. Sie heißen Kinderkrankheiten, haben können sie aber alle. Vor allem auch Mütter. So ergangen mir letztes Wochenende, als die Kindergarten-Magen-Darm-Grippe plötzlich befand, dass ich ein viel reizvolleres Opfer wäre. Mit einem Mal fand ich mich beim notärztlichen Bereitschaftsdienst wieder, weil ich total dehydriert nichts mehr außer wimmern und würgen konnte. Keine schöne Erfahrung. Und das obwohl ich dachte, nach vier Monaten übelster Schwangerschaftsübelkeit so einiges gewöhnt zu sein. Das hat mich dann doch überrascht.
Und der wirkliche Gipfel über all diesen Negativpunkten ist: Es gibt kein Entkommen. Sie sind wie die Borg die daherkommen, „Wiederstand ist Zwecklos“ murmelnd, und alles befallen, was in ihre Nähe kommt. Nein, da gibt es nur die Möglichkeit: Augen zu und durch. Und wenn es beim Notarzt endet.