Ich hasse den Weihnachtsmann. Diesen fetten, knallroten, zuckerwassertrinkenden Pseudo-Heiligen. Santa Claus, wer’s glaubt. Santa Claus kommt noch immer von Sankt Nicolaus, und damit hat dieser Kerl bereits einen Feiertag, den 6ten Dezember, an dem er als Bischof von Myra den Kindern Nüsse bringen kann. Oder auch im Falle meines Sohnes eine Ukulele. Wozu braucht ein zweijähriger eine Ukulele? Um den Boden zu hauen?
Und diese furchtbare Metamorphose, die der führende Anbieter von zuckerhaltigen Getränken mit dem armen Sankt Nikolaus angestellt hat. Sie haben ihn seiner Bischofsmütze beraubt. Seinen Stab verbannt. Seinen Schlitten mit einem fliegenden Teppich gekreuzt und dann auch noch Knecht Ruprecht in Rentiere verwandelt. Habt ihr ‚ne Ahnung wie die heißen? Comet, Cupid, Prancer, Vixen, Donner, Blitzen, Dasher und Dancer, nicht zu vergessen den dauerbetrunkenen Rudolph. Wie schwul können Namen klingen? Dasher? Dancer? John Travolta lässt grüßen. Aber die Spitze ist ja noch immer Vixen. Jaja, ihr versauten Objekte da draußen, lacht nur. Ein Rentiername klingt wie eure Lieblingsbeschäftigung.
So ein ***. Wirklich, ich hasse den Weihnachtsmann. Diesen Konsumantreiber, das Bild der Wegwerf-Gesellschaft. Mehr Geschenke, größere Geschenke, teurere Geschenke! Ein Wettbewerb der Verpackungsinhalte. Mein Liebster fängt jetzt auch an. „Diese Jahr will ich deinem Vater aber was Richtiges schenken.“ Was Richtiges? Was zum Henker meint der? Einen Flatscreen? Goldbarren? Einen Landstrich? Wo ist die gute alte Zeit hin, als man noch basteln konnte. Ich mein jetzt keine kleinen selbst verhunzten Bilderchen. Ich rede von Keilrahmen, Seidenmalerei, Acrylbildern, selbst gegossenen Kerzen. Was soll mein Vater mit etwas anfangen, was er sich schon längst selbst gekauft hätte? Lieber ich schenke ihm etwas, wovon er nicht wusste, dass er es wollte.
Ich hasse den Weihnachtsmann aber vor allem deshalb, weil er das arme Christkind vertreibt. Als ich klein war, durften wir heilig Abend nicht ins Wohnzimmer, bis ein Glöckchen geläutet hat. Dann war das Christkind da. Kein Kamin, kein fetter Einbrecher, ein kleines Christkind brachte magisch die Geschenke. Meine Stiefschwester meinte das Christkind wäre viel zu schwach die Geschenke zu tragen. Mag ja sein. Aber es ist bestimmt nicht realistischer, dass ein kugelrunder, alter Mann in einem fliegenden Schlitten zu nicht vorhandenen Kaminen fliegt, mit Rentieren namens Dancer und Vixen.
Die Vorstellung des Christkindes, das himmlisch und magisch in die Häuser kommt, alle Jahre wieder, ist wesentlich romantischer und ich will daran festhalten, egal wie sehr die Welt zu Santa Claus tendiert. Santa Claus ist eine nette Figur, aber ich hasse ihn, wenn er das Christkind ersetzten soll.
Wenn er als Schokoladenfigur meinen Esstisch zu dutzenden bevölkert, weil jeder meint ein Zweijähriger bräuchte zehnt davon auf einmal. Wenn er an den Weihnachtsbäumen hängt. Wenn er als schreckliche Puppe in Häuser einbricht, oder als blinkendes Licht in Vorgärten und Fenstern steht. Von mir aus kann er mit seinen schwulen Rentieren echt am Nordpol bleiben. Aber Vorsicht, lieber Weihnachtsmann. Die globale Erwärmung kommt, die Polkappen schmelzen und bald wird’s dir zu heiß in deinem roten Mantel. Das Christkind ist da klar im Vorteil.
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