Donnerstag, 9. Dezember 2010


Ich finde es immer wieder faszinierend welche tatsächliche, unterschwellige Magie vom Winter, oder auch der Weihnachtszeit ausgeht, je nachdem wie pathetisch und religiös ihr seid, könnt ihr es so oder so halten. Vielleicht merken es die wenigsten, oder sie werfen es dem schnöden Zufall zu. Aber selbst der verliert bei zu häufigem Vorkommen solcher Ereignisse den Anspruch wirksam zu sein.
Wovon ich rede? Davon, dass einem jede Nase lang ein alter Bekannter über den Weg läuft – rein zufällig eben.
Oder zumindest mir meine halbe Jahrgangsstufe. Dabei fing es so an, dass es wirklich kaum zu erkennen war. Ganz unterschwellig und heimlich letzten Donnerstag, als ich meinen alten Latein-Lehrer am Bahnhof traf. Insofern nichts merkwürdiges, als da
ss mein Bahnhof kaum 10 Minuten vom Gymnasium entfernt ist und ich den Lehrer des öfteren da sehe. Besonders aber, da er tatsächlich einmal mehr hervorbrachte als „Morgen, Eva.“
Am Freitag kam dann das volle Programm. Morgens im Zug traf ich eine Schulfreundin, die ich seit dem Abitur nicht mehr gesehen hatte. Dabei hatte ich meinen eigentlichen Zug wegen morgendlicher „will net“-„na los jetzt“-Diskussionen verpasst hatte und zu spät dran war, Zufall eben. Wir quatschten, wie es alte Freunde eben tun und tauschte aktuelle mail-adressen aus. Am gleichen Abend traf ich eine weitere Schulfreundin, von der ich zumindest digital schon ein paar Mal gehört hatte. Sie war bei der Nikolausfeier der Kita – aber nicht als Mama, sie begleitete nur eine befreundete Mutter
, deren Tochter sie ab und an hütetet. Also war sie – na klar – rein zufällig da.
Da das Wochenende abgesehen von einem verabredeten Treffen mit einem alten Freund, also ganz ohne Zufall, ruhig verlief, glaubte ich noch an das wirre Schicksal. Bis gestern. Da traf ich in der Uni eine weitere Schulfreundin, verpasste fast meinen Zug nach Hause wegen der Unterhaltung und vereinbarte mit ihr, dass wir nächstes Semester ein Seminar zusammen nehmen. Mittags war spätestens das Maß des Zufalles erschöpft. Ich traf eine vierte Schulfreundin bei der Arbeit, wo sie wohl ab und an einspringt, ich sie aber noch nie gesehen hatte.
Gut. Dass sie dort auftaucht, wenn sie tatsächlich auch hin und wieder da arbeitet – nicht verwunderlich. Dass eine Studentin an der Uni anzutreffen ist – ganz normal. Eine Bekannte im Zug treffen – wenn man aus der gleichen Gegend kommt, kann das schon mal sein. Aber mindestens die Nikolausfeier war zu viel des Guten. Und alles zusammen in unter einer Woche?
Nein, lieber
Zufall, das rechne ich nicht dir an. Das ist 100%ig der Verdienst des Winter-Weihnachts-Geists. Ich bin wirklich gespannt, was in den nächsten 16 Tagen noch so passiert. Klassentreffen? Kindergartenwiedervereinigung? Krabbelgruppenkaffeeklatsch? Find ich toll, echt jetzt. Aber – ich würde die Leute auch ganz gern mal im Rest des Jahres treffen. So rein zufällig.

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