Mittwoch, 24. November 2010

Ich möchte diese Woche noch Mal auf das Begehren eigehen. Erstens, weil es uns einfach alle zu sehr beschäftigt, auch wenn wir es nicht zugeben wollen, zweitens, weil ich ein paar Dinge klarstellen will.
Zunächst war es vielleicht zu schnell zu sagen, dass niemand glücklich sein kann. Aber präzisieren wir. Wenn wir glücklich sind, ganz kitschig bei der Hochzeit, oder einfacher, wenn wir uns den neuen Sportwagen oder das neue Smartphone geleistet haben. Wie lange hält das an? Für den Augenblick sind wir bestimmt glücklich. Wir haben, was wir wollten, oder denken das zumindest. Alles scheint perfekt. Und da beginnt es zu hapern. Erinnert ihr auch an Matrix, wenn Mr. Anderson sagt, dass die Menschen eine perfekte Welt nicht vertragen haben? Ich denke, damit hat er gar nicht so unrecht. Wenn es perfekt ist, kommen uns Zweifel. Fehlt wirklich nichts? Wollte ich das wirklich? Brauche ich nicht mehr? Und es kommen Ängste. Was, wenn mir das wieder genommen wird? Wer wird es mir nehmen? Ist der erste Schritt dahin nicht schon getan? Wann werde ich es verlieren? Dabei geht’s es meist weniger um die Sache an sich, als um das Gefühl der Befriedigung. Das wollen wir nicht verlieren und wir wissen, dass wir es verlieren.
Es kommt zum ersten Ehekrach, der Wagen hat plötzlich nen Kratzer und das scheiß Handy will nicht so, wie wir. Aus die Maus, die Seifenblase platzt. Dann sind wir wieder an dem Punkt, an dem wir begehren, mehr wollen. Und bis wir das erreicht haben, sind wir glücklich über jeden Schritt. Das brauchen wir. Der Weg ist das Ziel, nur leider kapieren das nur wenige. Es gibt glückliche Menschen, aber ehrlich, wirklich glücklich sind wir nicht am Ziel, sonder auf dem Weg dahin, das Begehren erfüllt uns, der Hauch der Befriedigung. Das Streben nach Glück. So einfach ist das. Und gerade das macht Lieder, Bücher und Filme, die sich um Begehren drehen so erfolgreich. Sie pochen auf die einfachste Romantik, die in uns allen steckt, auch wenn die y-Chromosom-Exemplare das weniger gern zugeben.
Doch selbst die stecken mit drin. Was macht Herr Washington in Men on fire? Er begehrt etwas, die Rache. Gilt im Übrigen für so manche männlichen Idole. Jack Sparrow begehrt die Black Pearl, Indianer Jones die Schätze, James Bond neben Frauen auch die Sicherheit der Welt und so weiter. Wer will eigentlich mal nichts? Manche ändern ihr Ziel. Batman will erst Rache, dann beschützt er Gottham, Spiderman ergeht es ganz ähnlich. Also sollten gerade die Männer lieber mal ruhig sein. Die begehren erst Recht.
Aber etwas Gutes hat es. Wenn man weiß, dass es eigentlich das Begehren ist, das und antreibt und dieses wohlige Gefühl verbreitet, kann man sehr leicht dabei bleiben. Etwas zu begehren gibt es immer. Warum sollte ich alles haben wollen, wenn es viel verführerischer ist, manches eben nicht haben zu können. Warum muss pausenlos wiederholt werden, dass ein Mensch ohne Träume eine sehr traurige Gestalt ist. Wenn wir nichts haben, wofür es sich kämpfen lässt, lässt es sich eben darum kämpfen, wir können nur gewinnen. Eigentlich ein paar ganz besinnliche Gedanken, wenn wir unseren Blick mal auf Weihachten richten. Warum sollte ich alles haben wollen? Und warum fällt es uns so schwer, zu sagen, was wir uns wünschen? Wir wünschen uns so viel, und wenn wir nichts mehr zu wünschen hätten, wäre das Morgen sehr langweilig. Ich wünsche mir lieber zu viel. Meine Wunschzettel quillen über, dabei bin ich für den Augenblick schon sehr glücklich mit dem Moment, wenn alle meine Lieben in meinem Wohnzimmer sitzen, satt und träge. Ein Moment der Glücklichkeit, und ich weiß, er wird vergehen. Doch dann kann ich mich wieder darauf freuen.

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