Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kinder und Krankheiten


Kinderkrankheiten sind ja mal wirklich saublöd.
Erstens brechen sie mit absoluter Vorliebe um drei Uhr nachts aus. Wenn um drei Uhr nachts die Schlafzimmertür aufgeht, ein kleines Etwas zu mir ins Bett schleicht, oder neben mir aus dem Schlaf hochschreckt, kann ich garantiert sagen, dass ich am nächsten Tag, übermüdet, mit Kinderrotz, Tränen oder anderen Körperausscheidungen bekleckst, beim Kinderarzt abrücke, nur um mit einem Packen kindergerechter Medikamente wieder nach Hause zu kommen. Um drei Uhr nachts. Das ist die magische Zeit. Manchmal liege ich still da, mit offenen Augen, lausche in die Dunkelheit und hoffe inständig, kein Krähen zu hören, keinen Mucks, nicht mal ein kleines „M“. Und wenn dann doch, bin ich schnurstracks auf den Beinen. Das ist das zweite große Problem an Kinderkrankheiten.
Sie rauben den Eltern den Schlaf. Nicht nur den, den man zwischen drei und vier hat. Sondern in regelmäßigen Abständen, bei mir im zwei Stunden Takt, gibt es ein erneutes Aufschrecken. Das sieht dann so aus. Drei Uhr: Aufwachen, halb vier: gröbste Krankheitsanzeichen hemmen, vier Uhr: trösten, halb fünf: versuchen einzuschlafen, fünf Uhr: wieder Aufwachen,…
Um acht stell ich dann erstaunt fest, dass ich schon wieder in der Kinderarztpraxis anrufen kann. Dann geht es damit weiter, dass ich irgendwie organisieren muss, ob und wie ich in die Uni komme, bzw. wer denn mein Kind hüten kann. Beim Kindergarten anrufen, ein Auto herbeischaffen, denn unseres steht wahrscheinlich vor der Schule, in der mein Verlobter als Referendar arbeitet. Denn schließlich sind wie am dritten Minuspunkt der gemeinen Kinderkrankheiten: Das ganze Drumherum. Das regt ja so was von auf. Nicht schlimm genug, dass das eigene Kind krank ist, Fieber hat, jammert, etc. NEIN Da gibt es einfach noch abermillion Kleinigkeiten, die tatsächlich Aufmerksamkeit verlangen. Nach der schon erwähnten langwierigen Nacht.
Zum Schluss aber, denn aller guten Dinge sind eben nicht immer nur drei, das hinterlistigste an Kinderkrankheiten. Sie heißen Kinderkrankheiten, haben können sie aber alle. Vor allem auch Mütter. So ergangen mir letztes Wochenende, als die Kindergarten-Magen-Darm-Grippe plötzlich befand, dass ich ein viel reizvolleres Opfer wäre. Mit einem Mal fand ich mich beim notärztlichen Bereitschaftsdienst wieder, weil ich total dehydriert nichts mehr außer wimmern und würgen konnte. Keine schöne Erfahrung. Und das obwohl ich dachte, nach vier Monaten übelster Schwangerschaftsübelkeit so einiges gewöhnt zu sein. Das hat mich dann doch überrascht.
Und der wirkliche Gipfel über all diesen Negativpunkten ist: Es gibt kein Entkommen. Sie sind wie die Borg die daherkommen, „Wiederstand ist Zwecklos“ murmelnd, und alles befallen, was in ihre Nähe kommt. Nein, da gibt es nur die Möglichkeit: Augen zu und durch. Und wenn es beim Notarzt endet.

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