Ein kleines Gedankenexperiement: Stellt euch mal vor, ihr wärt nochmal drei (oder zwei, oder vier, das kommt ziemlich aufs Selbe hinaus). Eure liebe Mama schleift euch samstags zum Schuhgeschäft. Viele dutzend Schuhe in allen Größen und Farben. Und daneben eine Rutsche.
Schuhe oder Rutsche. Rutsche oder Schuhe. Schuhe. Rutsche. Rutsche. Rutsche. Schuhe? Rutsche!
Nicht mal verzogene Mini-Tussen stehen derart auf rosa Schuhe, dass sie die Rutsche nicht vorzögen.
Was macht man also als liebe Mama? „Komm, wir schauen uns die Schuhe an.“
„Rutschen will!“
„Nee, erst die Schuhe.“
„Wenn wir die Schuhe ausgesucht haben. Schau mal, die sind doch hübsch!“
„Rutschen!“
„Nee, erst Schuhe!“
„Rutschen!“
„Schuhe!“
Das Ende vom Lied ist, dass ich zwischen jedem Paar, das anprobiert wird, eine Rutschpause einlegen muss, bei der mein Sohn zwanzig Minuten Angst vor den anderen Kindern hat, die gerade am Rutschen sind, und weder vor noch zurück geht, bis diese verschwunden sind.
Um also drei Paar Schuhe zu finden, die bei seinen breiten Latschen (ja, ich geb‘ zu, ich bin schuld, bei meinen Füßen sieht‘s leider nicht anders aus) auch passen, brauche ich über `ne Stunde. Und dann ist es mir auch egal, ob die Schuhe braun, schwarz oder rosa sind (ja, das sind die Farben, die wir dann auch gekauft haben!).
Aber wehe ich als liebe Mama komm auf die Idee, dass ich ja auch mal Schuhe kaufen könnte. Da geh ich wirklich höchstens einmal im Jahr ins Schuhgeschäft und dann das.
„Mama, rutschen!“
„Ja, geh doch rutschen.“
„Mama mit!“
„Nein, das kannst du alleine.“
„Angst hab.“
„Aber wovor denn?“
„Mann? Frau? Kindern?“
„Ich will jetzt auch mal Schuhe anprobieren. Setzt dich kurz dahin.“
„Mama, Arm!“
„Dann kann ich aber keine Schuhe anprobieren, und dann brauchen wir noch länger.“
„Arm!!“
Ein Glück, dass ich nie alleine mit meinem Sohn ins Schuhgeschäft gehe, oder generell etwas für ihn kaufen.
Genauso intelligent wie die Rutschen in der Kinderschuhabteilung sind die Fernseher bei den Bekleidungsgeschäften. Klar will mein Kind noch fünf verschiedene Hosen und sechs Pullis, drei Hemden und eine Jacke anprobieren, wenn nebenan ein Cartoon kommt. Natürlich. Kinder schauen doch freiwillig keine Cartoons, wenn es Kleider zum Anziehen gibt. Niemals!
Das wäre wie eine 24-Stunden Sport-Live-Übertragung in der Männerabteilung oder kostenlose Gesichtsbehandlung und Maniküre in der Frauenabteilung. Gute Idee, oder? Warum dürfen nur die Kinder ihren Spaß haben? Oder ist das eine Verschwörung gegen arme Eltern, die bei solch Nervenaufreibenden Einkäufen mit Sicherheit etwas vergessen, also wiederkommen müssen, um noch mehr zu kaufen. Muahaha. Vielleicht stecken die Kindersendungen dahinter, die so ihr Publikum ein den Kreis der Süchtigen ziehen wollen. Ohhh, die sind clever.
Aber am cleversten sind Onlineschuhshops. Bei kostenlosem zurücksenden kann ich die Kinderschuhabteilung in mein Wohnzimmer verlegen. Da steht zwar auch ein Fernseher und ein Sofa (Trampolin schlägt Rutsche, haha), aber ich habe die Macht. Ich entscheide, wann die Flimmerkiste aus, und das Kind auf dem Boden bleibt. Es lebe das Matriarchat!!!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen