Mittwoch, 29. Dezember 2010

Leise rieselt das Pulver

Weihnachten ist vorbei, hat uns dieses Jahr weiß überrascht. All die Kinderjahre hab ich darauf gewartet, gehofft, gebangt – und wurde jedes Jahr aufs Neue enttäuscht. Ich kann mich an kein anderes weißes Weihnachten erinnern. Nun, ich bezweifle auch, dass mein Sohn sich in zwanzig Jahren noch daran erinnern kann, aber wir haben die Schlittenfahrt festgehalten, das Schneegestöber, das Winter-Wonderland und haben ironisch „I’m dreaming of a white christmas“ gesungen. Yeah.
Ich fand‘s geil, weiße Weihnachten! Wie viele Dutzend Kinder glauben wohl jetzt wieder an Weihnachtsmann, Christkind und Co., wo doch dieses Jahr dieser Herzenswunsch erfüllt wurde, und mal ehrlich, das kann keine Mama und kein Papa bei Rofu kaufen, das schickt im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel. Waren wir tatsächlich so brav?
Das ganze Gemecker kann ich wirklich nicht verstehen. Dann muss halt der Schnee geschippt werden, 1,20m glaub ich, wenn so viel da ist. Na und? Da wird’s einem doch warm ums Herz. Ein bisschen mehr laufen, statt Autofahren, kann bei dem Weihnachtsbraten nicht schaden. Und wenn das Weihnachtsfest dann halt im kleineren Rahmen gefeiert werden muss, kann es umso besinnlicher werden. Aber, das Thema hatten wir ja schon, wir Menschen können den Hals nicht voll genug bekommen und meckern so oder so. Meck, meck, Ziegenschreck.

Doch stopp, halt, ich kann heute nicht nur über das vergangene Weihnachten reden, ohoh, gleich kommt der Geist des zukünftigen (oder gegenwärtigen) Sylvesters und kneift mich. Wo doch so ein Jahreswechsel immer gebührend gefeiert werden muss. Warum eigentlich? Wozu der Aufwand, der Alkohol, die Knaller? Von uns glaubt doch keiner mehr an böse Geister, die vertrieben werden müssen und Ausreden zum Saufen finden wir auch so (Warum jetzt aufhören). Was kann so ein Tag, eine Sekunde ändern. Eine Ziffer im Kalender und auf dem Briefpapier. Oh weh, jetzt wird’s ernst. Ein Nachhilfeschüler hat mir letztens einen Test gezeigt, auf dem er Punkt fürs Datum bekommen (bzw. nicht bekommen) hat. Ändert sich wirklich etwas wegen einer Sekunde?
Genauso ist es doch mit Geburtstagen. Wir fühlen uns nicht wegen eines Tages älter oder jünger, der Rest des Jahres macht den Unterschied. Wenn ich jeden Tag Geburtstag hätte, würde mich auch das Alter 23449 nicht schocken. Doch so viel Jahre schafft gerade mal eine Plastiktüte unter der Erde.
Ich fand dieses Zeug schon immer blöd. Geburtstag, ok, das geht, man feiert mit Freunden und Verwandten, dass es einen gibt und dass man Freunde und Verwandte hat. Aber Sylvester?
Und dann noch diese Knallerei. Was soll das? Ist das so? Ich meine, muss das so sein? Wir bombardieren die Atmosphäre, vergrößern das Ozonloch, feuern die Treibh
ausgase an, verschmutzen die Straßen mit billigem Schießpulver. Bäh. Ich mag gar nicht daran denken, wie der Schnee dann aussehen wird. Uähh. Da ist mir das Töpfchenentleeren ja lieber. Und dann die unzähligen Dümmlinge, die an Sylvester mit abgesprengten Körperteilen in der Notaufnahme landen, mit mehr Alkohol als Blut in den Adern oder was weiß ich. Naja, ein gutes hat es ja. Im September können die Krankenhäuser wieder vermehrte Geburten verzeichnen. In dem Sinne, knallt und sauft und mehret euch.

1 Kommentar:

  1. He vielleicht gehts beim Silvester feiern viel mehr um die Hoffnungen die man sich für das nächste Jahr macht, all die unerfüllten Träume und Wünsche die dir das alte Jahr verweigert hat und die du nun hoffnungsvoll ins neue Jahr überträgst. Und natürlich all die Fehler die man im alten Jahr gemacht hat und im neuen Jahr vermeiden will. Und da man natürlich gerne aus allem eine Geschäftsidee macht und es gewinnbringend in Konsum umsetzen muss gaukelt uns jedes Medium vor Silvester vor, dass so eine Silvesterfeier alkoholisch, glitzernd, laut und knallend sein muss und vor allem bitte gebt euer Geld aus damit die Wirschaft floriert............Vielleicht sind wir so geworden weil die Medien uns dieses Bild seit Jahren vorhalten, wir haben dieses Bild mit der Zeit übernommen und versuchen es nun aus zu füllen. Aber spätestens beim Bleigiessen kommt dann die Hoffnung heraus "krieg ich was ich mir wünsche?" Und wie du schon geschrieben hast: Was wären wir ohne all unsere Wünsche? ziemlich armselig, ohne Illusionen, nur nackige Realität die nach eine Windel schreit.

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