Montag, 27. September 2010

Faul zu sein bedarf es wenig, …


Ich gebe es gerne zu. Wenn ich mal mit meiner Tasse Tee auf dem Sofa sitzen kann, lesen, schreiben, fernsehen, musikhören oder gar nichts tun kann, ja, das genieße ich, dann will ich gar nicht mehr aufstehen.
Und genau da liegt doch das Problem.
Wenn ich mal sitze, stehe ich so schnell nicht mehr auf. Das weiß ich, also setz ich mich möglichst nicht so schnell, jedenfalls auf die Couch. Eher setzt ich mich auf meinen leicht unbequemen Bürostuhl, oder auf den quietschenden Esszimmerstuhl. Da steh ich früher oder später auch wieder auf. Und da arbeite ich auch im Sitzen.
Ein kleines Beispiel. Es ist Sonntagmorgen. Mein Sohn hat mich um halb neun endgültig geweckt. Wer kann ihm da schon einen Vorwurf machen, er schläft immerhin mittags nochmal, manchmal bis zu vier Stunden. Außerdem geht er Samstags brav um acht, halb neun ins Bett, anders als seine unvernünftigen Eltern, die unbedingt bis halb drei noch irgendwas Unnötiges veranstalten, Wii spielen, Fernsehen oder sonst was. Sprich: Um acht ist mein Sohn topfit, ich eher nicht. Und mein Mann noch viel weniger. Der lässt sich von seinem Sohn gar nicht beeindrucken, wenn er unnachgiebig an die Tür klopft und ruft. Na gut, der Kleine ruft immerhin auch „Mama, Maaamaaa“, aber trotzdem. Mann bleibt liegen, grummelt noch böse, wenn ich geschlagen die Decke beiseiteschiebe und murmelt etwas wie: „Lass ihn doch schreien“, oder „Soll er sich doch selbst beschäftigen.“ Selbstbeschäftigung geht mit zwei aber auch nur eine gewisse Zeit und sowieso und überhaupt, ich weiß, besser ich stehe gleich auf und geh an die Arbeit, anstatt den halben Tag im Bett zu liegen und mich dann zu beschweren, dass der Tag so kurz ist.
Also steh ich Sonntagmorgens um neun in der Küche, spül mein Geschirr, während mein kleiner Mann in seinem Hochstuhl sitzt und munter Joghurt mampft. Nach dem Geschirr ist die Wäsche dran, bevor die Schmutzwäscheberge auf ihren Gipfeln vereisen. Da fällt mir ein, ich muss noch Unterhosen in Größe 92 kaufen, …
Nach Geschirr und Wäsche kümmere ich mich um Katzenklo, Menschenklo, Staubschichten, etc. Ich putzte und mache, während der Herr der Schöpfung mit verrückter-Professor-Frisur aus dem Schlafzimmer kommt, mir einen höchst vorwurfsvollen Blick zu wirft und „Star Wars – the Clone Wars“ einschaltet, wenn ich mich über meine Uni-Sachen setzte. „Wie kann man so früh nur schon so viel schaffen“ motzt er. Ironischer Weise fällt ihm dann abends um acht ein, dass er ja auch noch was zu tun hat. Und dann motzt er noch mehr, über seine Arbeit, und schuftet bis ich schon lange schlafe.
Das funktioniert übrigens auch unter der Woche so. Ich komme von der Uni heim und setzte mich an den Schreibtisch, um irgendwann auch mal fertig zu werden. Er legt sich erst mal ne Stunde aufs Sofa, döst und beschwert sich später darüber, dass er die Nacht durchackern muss.
Die Sache ist die: Ich kenne das. Wenn ich mich nicht nach der Uni an den PC setze, nicht um neun Sonntags in der Küche stehe, dann liege ich auch aufm Sofa, mache nur spät was oder eben gar nicht, denn Faullenzen ist eben so viel schöner. Mein Kopf kann mal ausruhen, meine Gedanken dürfen durcheinander fliegen. Ach wie ist es schön. Wirklich.
Nur. Alleine spült sich das Geschirr nicht. Ich hab‘s versucht. Und schlauer werd ich dabei auch nicht. Dieser Artikel schreibt sich nicht nur Gedankensteuerung, jedenfalls noch nicht. Und es sieht doch so aus: Wenn ich die Wahl habe zwischen Faullenzen und danach ackern, oder erst arbeiten und dann zufrieden ausruhen zu können, dann wähl ich lieber das Zweite. Jedes Füßehochlegen kann nur wirklich genossen werden, wenn die To-Do Liste des Tages abgearbeitet ist. Dann, wenn ich weiß, ich muss nicht mehr aufstehen. Dann, wenn das Geschirr nicht mehr dutzende Drosophila anlockt, sondern sauber im Schrank steht, wenn die Wäsche auf der Leine hängt und die Katze vergebens nach Staubmäusen suchte, dann faullenze ich, dann gehört das Sofa mir. Dann ist es pupsegal, wenn ich nicht mehr aufstehen will, denn dann muss ich es nicht mehr. Und es ist echt toll, einmal am Tag
nichts zu müssen.

Montag, 20. September 2010

Anfang und Ende, Ende und Anfang

Unser Leben ist durchzogen von Anfängen und Enden. Mal ehrlich. Zuerst fangen wir an zu existieren, weil unsere Eltern zum Höhepunkt, zum Ende kamen. Ziemliche eindeutig, oder? So geht es immer weiter. Unsere Zeit im Mutterbauch endet, unser Leben fängt an. Das ist eine richtig krasse Umstellung. Kein Baby kommt aus Mamas Bauch, sieht sich um und sagt: Sieht genauso aus, wie da drinnen. Babys schreien. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Kaum spürte Noah den ersten Luftzug, schrie er. Ich muss allerdings zugeben, dass er am Anfang echt leise geschrien hat. Als wäre er ewig weit entfernt. Ich hatte immer Angst, ich könnte ihn nicht hören, wenn er in einem anderen Raum war.

Dieses ganze Anfang-Ende Hin und Her hört nie auf. Die Semesterferien fangen an, die Klausuren enden, das Semester beginnt, die Ferien enden. Gerade gibt es bei mir mal wieder einige dieser Umstellungen. Mein Verlobter fängt mit dem Ref an - seine freie Zeit endet. Mein Sohn beginnt mit dem Kindergarten – seine Lümmelzeit zu Hause hört auf. Und auch bei mir fängt die Uni wieder an – die Ferien enden. Mein letzter Roman ist fertig geschrieben – jetzt beginnt die Arbeit des Verlagsuchens.

Ganz normal also, oder? Oder nicht. Wieso tun wir uns so schwer mit Veränderungen. Mit diesen Enden und Neuanfängen. Jedes Mal reagieren wir ähnlich wie das Baby nach der Geburt. Wir schreien. Blöde Uni, stressiges Ref, böser Kindergarten, gemeine Verlage, kalte Welt, …

Mir reichts. Ich möchte echt mal etwas zu Ende bringen und etwas Neues anfangen, ohne gleich zu meckern, dass ich mich an neue Gewohnheiten gewöhnen muss. Veränderungen sind gut! So! Veränderungen bringen uns weiter. Auch eine im ersten Moment negative Veränderung kann toll werden und andersrum auch.

Wir machen ein kleines Gedankenexperiment. Stellt euch mal vor in eurem Lieblingslokal gibt es ein tolles Gericht. Beispielsweise Hühnerbrust mit Spinat-Ricotta-Füllung. (Gibt es tatsächlich im Vogelpark Schifferstadt und schmeckt himmlisch!) Ihr habt es einmal probiert und nächstes Mal wieder genommen, weil ihr ja wusstet, es schmeckt gut. Beim dritten Mal überlegt ihr, nehmt aber doch wieder das Huhn. Als ihr das vierte Mal kommt ist es fast schon Tradition und beim fünften Mal braucht ihr keine Karte mehr. Super. Ein wirklich leckeres Essen. Ihr seid zufrieden, der Koch ist zufrieden, alles ist bestens, herzlichen Glückwunsch.

Irgendwann aber kommt ihr in euer Lieblingsrestaurant und – oh Schreck – das Huhn ist aus. Ihr schmollt. Es gibt nur noch Bratwurst, Schnitzel, oder aber Tomatennudeln mit Lachs. Ihr starrt ewig auf die Karte, als könnte so das Huhn wie aus Zauberhand doch noch auftauchen. Euer Bauch grummelt, die Anderen warten. Nicht das Wurst und Schwein schlecht wären, aber ihr nehmt notgedrungen den Lachs und stellt fest: Gar nicht so schlecht. Etwas ganz anderes als Huhn mit Spinat und Ricotta. Absolut! Aber genauso lecker. Jetzt könnt ihr wählen und ihr wisst: Irgendwann kommt der Tag, an dem auch der Lachs aus ist. Was dann?

Nach dem Kindergarten kommt die Schule, außerdem auch die KiTa mal Ferien, die Lümmeltage kommen also wieder (Wer kennt die nicht?).

Nach dem Ref kommen auch Ferien und dann der Schuldienst.

Und nach dem Semester folgen Ferien, nach der Uni die Arbeit.

Eigentlich gibt es nicht wirklich andauernd Enden und Anfänge, es ist eher ein Zyklus, in den immer mal wieder eine Zwischenstation eingebaut wird.

Essen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Meckern-Schlafen-Pupsen.

Essen-Spielen-Lernen-Schaffen-Meckern-Lieben-Schlafen-Pupsen.

Ich denke, das reicht als Anschauung. Legen wir es also auf. Wir regen uns andauernd über Veränderungen auf, dabei werden sie ganz schnell allzu normal und alltäglich für uns. Nichts geht dabei wirklich verloren, alles wird immer mal wiederholt. Alles – bis auf zwei Dinge.

Die Geburt und der Tod. Vielleicht gibt es ja doch noch mehr Sachen mit zwei Enden, nicht nur die Wurst. Und damit fange ich diese Kolumne mit diesem Beitrag an und Ende gleichzeitig diesen Text. Geschickt oder? Beides in einem.

Mittwoch, 15. September 2010

Vorstellung



Ich bin Eva (eigentlich Eva-Maria, aber mal ehrlich, so nennt mich doch keiner). Seit ich zwölf war schreibe ich in jeder freien Minute. Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich mich gegen böse Stimmen (als Germanistin endest du in der Bibliothek oder im Taxi) durchgesetzt habe. Das verdanke ich vor allem meinem kleinen Sohn, der 2008 das Licht der Welt erblickte. Seitdem schreibe ich für eine kleine Tageszeitung und veröffentliche Gedichte und Geschichten.

Mit Studium, Arbeit, Kind, Fastmann und sonstigen Lebensumständen werde ich für euch eine Kolumne schreiben, in der immer mal wieder ein anderer Aspekt im Vordergrund steht. Wahrscheinlich werde ich euch auch Einblicke in unbekannte Bereiche verschaffen, doch ich hoffe, dass ihr euch auch immer mal in dem, was ich schreibe, wiederfindet.

Bei Fragen, Kritik und Anregungen könnt ihr euch gerne an folgende E-mail-Adresse wenden: eva-facetoface@web.de