Ich gebe es gerne zu. Wenn ich mal mit meiner Tasse Tee auf dem Sofa sitzen kann, lesen, schreiben, fernsehen, musikhören oder gar nichts tun kann, ja, das genieße ich, dann will ich gar nicht mehr aufstehen.
Und genau da liegt doch das Problem.
Wenn ich mal sitze, stehe ich so schnell nicht mehr auf. Das weiß ich, also setz ich mich möglichst nicht so schnell, jedenfalls auf die Couch. Eher setzt ich mich auf meinen leicht unbequemen Bürostuhl, oder auf den quietschenden Esszimmerstuhl. Da steh ich früher oder später auch wieder auf. Und da arbeite ich auch im Sitzen.
Ein kleines Beispiel. Es ist Sonntagmorgen. Mein Sohn hat mich um halb neun endgültig geweckt. Wer kann ihm da schon einen Vorwurf machen, er schläft immerhin mittags nochmal, manchmal bis zu vier Stunden. Außerdem geht er Samstags brav um acht, halb neun ins Bett, anders als seine unvernünftigen Eltern, die unbedingt bis halb drei noch irgendwas Unnötiges veranstalten, Wii spielen, Fernsehen oder sonst was. Sprich: Um acht ist mein Sohn topfit, ich eher nicht. Und mein Mann noch viel weniger. Der lässt sich von seinem Sohn gar nicht beeindrucken, wenn er unnachgiebig an die Tür klopft und ruft. Na gut, der Kleine ruft immerhin auch „Mama, Maaamaaa“, aber trotzdem. Mann bleibt liegen, grummelt noch böse, wenn ich geschlagen die Decke beiseiteschiebe und murmelt etwas wie: „Lass ihn doch schreien“, oder „Soll er sich doch selbst beschäftigen.“ Selbstbeschäftigung geht mit zwei aber auch nur eine gewisse Zeit und sowieso und überhaupt, ich weiß, besser ich stehe gleich auf und geh an die Arbeit, anstatt den halben Tag im Bett zu liegen und mich dann zu beschweren, dass der Tag so kurz ist.
Also steh ich Sonntagmorgens um neun in der Küche, spül mein Geschirr, während mein kleiner Mann in seinem Hochstuhl sitzt und munter Joghurt mampft. Nach dem Geschirr ist die Wäsche dran, bevor die Schmutzwäscheberge auf ihren Gipfeln vereisen. Da fällt mir ein, ich muss noch Unterhosen in Größe 92 kaufen, …
Nach Geschirr und Wäsche kümmere ich mich um Katzenklo, Menschenklo, Staubschichten, etc. Ich putzte und mache, während der Herr der Schöpfung mit verrückter-Professor-Frisur aus dem Schlafzimmer kommt, mir einen höchst vorwurfsvollen Blick zu wirft und „Star Wars – the Clone Wars“ einschaltet, wenn ich mich über meine Uni-Sachen setzte. „Wie kann man so früh nur schon so viel schaffen“ motzt er. Ironischer Weise fällt ihm dann abends um acht ein, dass er ja auch noch was zu tun hat. Und dann motzt er noch mehr, über seine Arbeit, und schuftet bis ich schon lange schlafe.
Nur. Alleine spült sich das Geschirr nicht. Ich hab‘s versucht. Und schlauer werd ich dabei auch nicht. Dieser Artikel schreibt sich nicht nur Gedankensteuerung, jedenfalls noch nicht. Und es sieht doch so aus: Wenn ich die Wahl habe zwischen Faullenzen und danach ackern, oder erst arbeiten und dann zufrieden ausruhen zu können, dann wähl ich lieber das Zweite. Jedes Füßehochlegen kann nur wirklich genossen werden, wenn die To-Do Liste des Tages abgearbeitet ist. Dann, wenn ich weiß, ich muss nicht mehr aufstehen. Dann, wenn das Geschirr nicht mehr dutzende Drosophila anlockt, sondern sauber im Schrank steht, wenn die Wäsche auf der Leine hängt und die Katze vergebens nach Staubmäusen suchte, dann faullenze ich, dann gehört das Sofa mir. Dann ist es pupsegal, wenn ich nicht mehr aufstehen will, denn dann muss ich es nicht mehr. Und es ist echt toll, einmal am Tag nichts zu müssen.